Datum 28.03.2020
Thema Draußen oder drinnen, das ist hier die Frage?
Von Svenja Erlach
Textstelle Hebräer 13,12-14
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Hebräer 13,12-14 (Luther 2017) Predigt für den 29.03.2020

Draußen oder drinnen, das ist hier die Frage?

Seit über einer Woche sind wir angehalten, zu Hause zu bleiben und wenn draußen nur im eigenen Garten. Jeden Tag werden die Maßnahmen verschärft. Um andere zu schützen, bleiben wir auf Abstand. Die neue Form der Nächstenliebe.

Die Sonne lacht und wir sollen drinnen bleiben. 
Dieses „Drinnen“ fühlt sich, was Gesellschaft, Gemeinden, soziale Kontakte usw. angeht wie ein „Draußen“ an. Isolierung fördert Einsamkeit. Einsamkeit fördert noch mehr Isolierung, daraus erwächst tiefes Leid. 
 Ich gebe zu Leid ist subjektiv. Objektiv betrachtet, erlebe ich in einem reichen Land, in dem es viel gibt, wenig Leid, wie Hunger, Wassermangel, Folter, Bevormundung. Die Liste ist lang.
Subjektiv ist das anders. Da kann es mich Schmerzen, dass meine Wünsche nicht in Erfüllung gehen, dass sich Erwartungen nicht erfüllen, dass Menschen mich verletzten, ich Menschen verliere, die Liste ist ebenso lang.
Der Begriff Leid umfasst als Sammelbegriff alles, was einen Menschen seelisch, psychisch und körperlich belastet.

In 10 Tagen feiern wir auf ungewohnte Art und Weise Karfreitag. Wir befinden uns in der Passionszeit. Eine Leidenszeit. Dieses Jahr 2020 ist es eine reale Leidenszeit geworden. Unser Alltag wurde über den Haufen geworfen. Viele leiden daran, keine Familie mehr zu haben, keine Person, mit der man in Quarantäne zusammenleben und leiden kann oder erleben, dass sie lange Zeit nicht mehr mit der Familie verbracht haben und man sich kaum noch kennt. Einige haben zwar Familie, dürfen aber dennoch gerade keinen Kontakt haben. Manch einer kennt sich selber nicht und kann nicht nach draußen, um sich mit vielen Dingen abzulenken, nur um sich nicht mit sicher selber beschäftigen zu müssen. Das erzeugt viel Druck. Kann diese Zeit, in der wir leben, auch zu einem Segen werden?

Die meisten von uns haben jetzt Zeit. Nicht nur die eigenen vier Wände und der Garten lohnen sich in Ordnung zu bringen. Es lohnt sich auch, diese Zeit zu nutzen, um im Inneren, der Seele, Dinge in Ordnung zu bringen oder von Gott bringen zu lassen.

Was braucht es aber dafür?  Der Apostel Paulus gibt dazu eine Hilfestellung und verweist auf etwas, das über uns hinaus geht.
Unser heutiger Predigttext in Hebräer 13,12-14 redet von einem „Draußen“.

12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.

13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.

14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Der Apostel Paulus legt viel Wert, dass die Adressaten dieses Briefes eine persönliche Beziehung mit Gott haben und diese Beziehung zu Gott ihr Miteinander prägt.  Für den Zusammenhalt der Christen war es notwendig, dass jeder sich seinen Glauben bewusst machen sollte. Dieser Glaube war vorbildlich. Glaube ohne eine persönliche Beziehung zu Gott und dennoch ein Vorbild sein, klappt nicht.

Drinnen und Draußen

Die Verse vor unseren Predigtversen erläutern, das richtige Verhalten in der Gemeinde. Und aus welcher inneren Haltung heraus dieses Verhalten kommt.
Der Apostel Paulus erklärt den Hebräern, wie ihr Verhalten ist mit der Annahme Jesus Christus in ihrem Leben zusammenhängt. Dies auf eine sehr spannende Art und Weise.

Es gab eine Opferpraxis, die uns heute mehr als fremd ist. In mitten der Stadt, im regen Leben der Menschen wurden Tiere im Heiligsten geopfert, damit Gott die Sünde, also die Trennung mit ihm, vergeben soll. Daher heißt dieses Opfer auch Sühneopfer. Allerdings wurden die Tiere danach außerhalb der Stadt verbrannt. Dieser Ort war unrein und abstoßend, die schlimmsten Verbrecher wurden an diesem Ort getötet. Es war ein Ort der Schande und des Leidens. Außerhalb der schützenden Stadtmauer, war das Leben feindselig. Hier begann die Wüste und viele Menschen glaubten, dass in dieser Wüste Dämonen lebten. Kein Ort, an dem ein Mensch sich gerne aufhielt.
Weder zu Jesus Zeiten, noch zu Zeiten des Auszugs aus Ägypten. Wer außerhalb des Lagers oder der Stadttore war und dortblieb, war sich eines schnellen Todes sicher. Es war ein Hinrichtungsort. Ein Ort, den man Synonym mit Einsamkeit und Klage bezeichnete.
Jesus Christus der Sohn Gottes, litt an diesem Ort. Er starb an diesem unheiligen Ort. Er wurde wie ein Tieropfer hier beseitigt. Nicht in mitten der Stadt starb Jesus, draußen, an diesem unglückseligen Ort. Als Ausgestoßener, als unreiner, als ein Verbrecher. Paulus beschreibt es so: Jesus starb als ein verachteter Verbrecher, damit das Volk durch sein Blut wieder heilig wird.

Gehen wir davon aus, dass Gott heilig ist. Alles was mit Gott in Verbindung gebracht wird, ist und wird heilig. Durch die Abwendung des Menschen von Gott gab der Mensch dieses Heilige auf. Von da an, war es sehr schwer für den Menschen, mit diesem heiligen Gott in Verbindung zu kommen. Der Mensch kann diese Heiligkeit Gottes nicht aushalten und ertragen.

Durch den Tod Jesus, wird das Volk und auch wir heute wieder geheiligt. Jesus als die Brücke zu Gott, stellt die Verbindung wieder her. Durch das Blut Jesus Christus wird das Volk wieder in die Gegenwart Gottes gebracht, und zwar so, dass sie es ertragen kann. Jesus Blut hat eine Heilige Kraft, die Kraft der Vergebung, der Reinigung und der Heiligung. Wer sich unter dieses Kreuz stellt, an diesem unheiligen Ort, empfängt die Heilige Kraft. Ihm wird vergeben, alles was vorher nicht in Ordnung war, wird durch Jesus wieder gereinigt und hergestellt. Wer Jesus Tod für sich anerkennt, wird durch ihn geheiligt und kann eine persönliche Beziehung mit Gott haben.

Wir kommen nun also nicht daran vorbei, dass wir uns Gedanken machen darüber, wie wir mit dem Kreuzestod Jesus zurechtkommen.
Ankommen bei diesem Kreuz. Es wirken lassen. Jesus starb am Kreuz verlassen und einsam: auch er flehte Gott an: Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?
Hier an diesem Kreuz, zeigt sich deine innere Haltung. Zeigt sich, wer Gott für dich ist. Es zeigt sich, aus welchem Holz dein Glaube besteht. Aus Treibholz, das schnell kaputt geht, oder zerfressenes Holz von Würmern, oder dem Holz an dem Jesus hängt, das durchträgt und mit Blut durchdrungen ist.
In unserem Leben gibt es diese Orte der Einsamkeit, wir befinden uns gerade mitten drin.
An diesem Kreuz, darfst du alles Gott fragen. Wo bist du Gott? In dieser Einsamkeit? Warum hast du mich verlassen?

Diese Fragen müssen sein. In diesen Fragen richtest du deinen Schmerz, dein Unerfüllt Sein, deine Angst, dein Alleinsein, deine Isolation an den einen Adressaten, der dir das Leben gibt, an Gott selbst.Doch genau damit verändert er auch deinen Blickwinkel. Zuerst zeigt sich diese Veränderung vielleicht nicht. Das Unrecht damals bestand weiterhin. Das Leid hier bei uns auch.

Gerade draußen vor dem Tor, gerade in der Einsamkeit ist Gott da, ist sein Sohn Jesus Christus bei allen, die in Not sind, weil er diese Not selbst kennt.

Und wenn Paulus jetzt aufruft: „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und sein Leid tragen. Denn auf der Erde gibt es keine Stadt, in der wir bleiben können. Wir sind unterwegs zu der Stadt, die kommen wird.“, dann heißt das, dass wir nicht alleine sind. Gott ist da. Er hält dich. Er hält deine Fragen aus, deine Leiden, deinen Schmerz und er hilft dir da durch.

Mit Jesus an deiner Seite, kannst du allem trotzen.
Mehr noch, du wirst ein Vorbild für andere sein. Du kannst anderen Mut machen, die leiden, dass es ein danach geben wird. Du kannst Hoffnung machen, dass das Leid, nicht das letzte Wort über deinem Leben oder das von jemand anderem hat. Du wirst eine Zukunft haben, mit Jesus an deiner Seite.
Du wirst ein Segen sein. Heute ist der Tag, an dem sich dein Blatt wendet. Glaubst du diesem Jesus, der mitlitt? Glaubst du, dass er für dich persönlich gestorben ist, dass du heilig wirst und mit Gott eine persönliche Beziehung haben kannst? Das dieses Leid ein Ende haben wird? Diese Zeit ist eine Chance, mit uns und unseren Mitmenschen neu auseinanderzusetzen. Liebgewonnene schlechte Gewohnheiten ablegen und neue, gute dazu gewinnen. Mit sich selbst, deinem Mitmenschen und Gott neu in Berührung kommen.
Diese Zeit kann ein Segen sein.

Es wird auch nach Corona eine Zeit geben. Heute können wir anfangen, wie wir das Leben „danach“ gestalten wollen.

Damals am Kreuz ging für viele Beteiligte eine Welt unter. Jesu Jünger mussten sich überlegen, wie sie nach der Katastrophe weitermachen sollten. Und viele haben sich entschieden, der Stimme, die sie gerufen hatte, weiter zu folgen – Ostern sei Dank. Das hat unsere Welt verändert. Darum wissen wir heute noch von dem Trost, der uns damals zuteil wurde.

Wenn unsere Welt dann demnächst – hoffentlich bald – wieder zur Normalität kommt, dann wird sie auch nicht mehr die gleiche sein. Wie die Anhänger Jesu damals müssen wir uns dann überlegen, wie und wer wir dann in dieser neuen Welt sein wollen.

Paulus macht dafür Vorschläge: Wir wollen uns mit unserem Beten und Singen zu Gott bekennen und ihn loben. Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen. Einander Mut machen, da sein, Hoffnung teilen, miteinander wieder ganz neu in Kontakt kommen und mit uns selbst. Wir werden zu Hoffnungsträgern. So werden wir Licht spenden, mit dem wir in Orte der Einsamkeit und des Kummers ausstrahlen. Immer in dem Wissen, dass Gott schon an diesen Orten ist und wartet, dass wir uns auch dorthin wenden werden.
Und Jesus geht mit und bringt uns an Ziel.

Gebet: In Christus allein ist mein ganzer Halt. Er ist mein Licht, mein Heil, mein Lied und der Eckstein.
Er ist mein fester Grund, der sichere Halt im Sturm und Wind.
Keiner liebt wie er, Jesus stillt meine Angst, er bringt mir Frieden mitten im Kampf.
Jesus ist mein ganzer Trost, er ist in allem Leid und in seiner Liebe zu mir finde ich halt.
durch sein Blut, macht er mich rein. Durch ihn bin ich neu geboren.
Keine Macht der Welt, kann mich ihm rauben, der mich hält, bis an das Ende dieser Zeit und Welt.

Amen

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.


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